Montag, 1. Juni 2009

Geschichtsstunde: Our Lady's Hospital, Cork

Übersicht des Geländes / Overview Our Lady’s Hospital
(Von links nach rechts / left to right: Eglington Asylum – Kirche / Church – St. Kevin’s Asylum)

Die Anstalt zur Behandlung (= Verwahrung?) Geisteskranker wurde im Jahre 1789 eröffnet und durch den Irish Lunatics Asylum Act im Jahre 1845 unter dem Namen Eglington Asylum mit bis zu 1.000 Insassen zu der größten „Irrenanstalt“ in Irland, obwohl sie lediglich für 500 Personen ausgelegt war. Das Hauptgebäude gilt als eines der längsten Gebäude Irlands; die Front misst ca. 300m. Auf dem insgesamt ca. 16ha großen Gelände befinden sich noch Überreste weiterer alter Krankenhäuser (u.a. das St. Kevin’s Asylum) und einer Kirche samt Friedhof.

Eglington Asylum Turm #3 / Tower #3

Um 1900 war das Krankenhaus führend in der Behandlung von Geisteskrankheiten durch eine Art „Bädertherapie“. Der „Irrsinn“ wurde als Fehlfunktion des Gehirns erkannt, welches mit Reizüberflutung zu kämpfen haben sollte. Unter anderem durch heiße Bäder sollte der Blutfluss beschleunigt werden, um den Abfluss dieser Überlastung des Gehirns über die Haut zu ermöglichen.

Nach Begehungen in den Jahren 1935, 1936 und 1937 wurde der Zustand des Eglington Asylums und St. Kevin’s als erbärmlich kritisiert, u.a. wegen Überbelegung, mangelhaften hygienischen Einrichtungen und baulichen Mängeln. Zudem wurde der Anstaltsleitung schon 1939 Versagen und die Vernachlässigung der Patienteninteressen bescheinigt. Jedoch wurden die Einrichtungen auf dem Gelände erst 1989 geschlossen, nachdem die Regierung die katastrophalen Bedingungen nicht länger ignorieren konnte.

Eglington Asylum (Hauptgebäude) / Main building of the complex

Seit 2001 wird der Hauptkomplex (Eglington Aslyum) zu Wohnungen konvertiert und wurde mittlerweile nach dem damaligen Architekten in Atkins Hall umbenannt, da die Wohnungen unter dem alten Namen und der damit verbundenen Erinnerungen nicht verkäuflich waren. Mittlerweile sind ca. 30% des Hauptgebäudes renoviert und bewohnbar; weitere 30% wurden entkernt und der verbleibende Teil des Gebäudes ist noch fast im Urzustand nach der Schließung. Die anderen Gebäude auf dem Gelände sind noch nicht renoviert, wurden allerdings mehr oder minder wirksam versiegelt.

Eglington Asylum mittlerer Turm Detail / Detail of the center tower

Leider ist der Zugang zu den Gebäuden (insbesondere St. Kevin’s) ohne expliziten Hausfriedensbruch deshalb aktuell nicht mehr möglich. Zäune, Tore, Schranken, Verbotsschilder und jede Menge Grünzeug tun ihr übriges, um Touristen wie mich am Zutritt zu hindern bzw. den Blick zu vermiesen. Von Einheimischen gibt es zudem den Rat, das Gelände nachts nicht zu betreten, da die ggf. anwesenden Personen wohl nur mittelmäßig vertrauenserweckend sind (also diejenigen, die sich um die genannten Maßnahmen nicht sonderlich kümmern).
Allerdings ist dort in der Atkins Hall (a.k.a. Our Lady's Hospital, Eglington Asylum, und St. Kevin's Asylum) nicht alles nur böse und schlecht: Die bereits fertiggestellten Eigentumswohnungen sind schon ab €220.000,- zu haben und bieten neben einem schönen Blick über den Fluss Lee und den westlichen Teil Corks (zumindest in Richtung Front) auch ein Wohnerlebnis in ruhiger Lage…

Warum schreibe ich über Atkins Hall? Weil ich den ganzen Komplex jetzt seit September jeden Tag aus dem Fenster heraus sehen kann und erst seit ein paar Tagen weiß, was das ist / war und auch jetzt erst Zeit hatte, mal vorbeizuschauen. Übrigens gibt es etwas weiter östlich am selben Hügel noch das Good Sheperd Magdalene Convent, quasi das gleiche in grün. Etwa so groß wie St. Kevin's, dafür gar nicht zugänglich, seit 2003 partiell ausgebrannt und ohne jegliche Nutzungspläne für die Zukunft.

Quellen: Tarquin Blake / Charles H. Sheperd, Insanity and the Turkish Bath (10.03.1900) / Google Earth
Fotos: Wie immer alles Eigenproduktion

Kommentare:

  1. Tolle Bilder und interessante Geschichte !

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  2. gelesen und für gut empfunden ;)

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  3. Hey, da habe ich bis letztes Jahr gewohnt! Ich habe mich mit einem der Sicherheitsleute dort angefreundet, der uns mal eine nächtliche Tour durch den noch nicht renovierten Ostflügel gegeben hat. Ist schon ein unheimliches Gelände, mein Weg zur Arbeit führte mich jeden Tag durch die gesamte Liegenschaft hoch zur Shanakiel Road. Besonders im Dunkeln schon sehr gruselig! Danke für den Artikel!

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